QR-Codes überkleben

Praktisch: QR-Codes sind maschinenlesbar. Unpraktisch: QR-Codes sind nicht menschenlesbar (zumindest, wenn man nicht Neo heißt). Das bedeutet nämlich auch, dass die Codes eigentlich beliebig (zB durch Überkleben) manipulierbar sind – schließlich sieht man erst, was dahinter steckt, wenn man schon gescannt hat. Dieser „Exploit“ kann natürlich ebenso beliebig fies ausgenutzt werden, sei es durch die Hinterlegung von Schadsoftware auf den manipulierten Ziel-Websites oder auch durch inhaltliche Manipulation. Letzteres geschah zum Beispiel in Mainz, die QR-Codes auf den Wahlplakaten zur Oberbürgermeisterwahl wurden überklebt, die Frankfurter Rundschau zitiert Politiker der betroffenen Parteien:

„Wir haben drei bis vier Varianten gefunden, jeweils mit dummen Sprüchen. Ein Beispiel: ,Was ist grün und trägt ein Kopftuch? Eine Gürkin!’“

„Auf Plakaten auf dem Lerchenberg und am Schloss waren plötzlich QR-Codes mit Werbung für ein Feriendomizil auf Sylt.“

Lustig finde ich vor allem die Vorstellung, dass die Wahlkämpfer mit Ihren Smartphones von Plakat zu Plakat gezogen sind, um zu kontrollieren, ob das Plakat noch auf die richtige Webseite verlinkt.

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Hundefutter nur nach Checkin!

Schon etwas älter, nichts desto weniger klasse: Eine wundervolle Plakatkampagne des Hundefutterherstellers GranataPet. Die Idee: Die Zielgruppe in einer Situation schnappen, in der sie für dein Produkt besonders empfänglich ist. In diesem Fall beim Gassigehen mit dem Hund. Das Plakat spuckt nämlich Hundefutter aus – aber nur, wenn man bei Foursquare am Plakat eincheckt: Check in! Snack out! Den Viralen Effekt (Checkins und Social Network Shares) und digitale Erfolgsmessung (sonst ja eher schwierig bei out-of-home) gibt’s gleich noch gratis dazu. Ein klasse Beispiel für die Verbindung von klassischem Plakat, einem standortbasierten Social Network und einer kreativen Idee für das Customer Engagement/Involvement:

Die Designer sind schuld!

Gerrit van Aaken bringt einen sehr validen Punkt, warum so viele sinnlose QR-Codes auf Plakaten auftauchen:

QR-Codes sind nämlich ein Kommunikationsdesigner-Ding. Usability-Experten haben mit der gehäuften Präsenz recht wenig zu tun, nein, die »Creative- und Artdirektoren« sind schuld. [..]

QR-Codes werden laut van Aaken gerne verwendet, weil sie „mysteriös“ und „spielerisch“ und irgendwie modern und/oder interessant aussehen. Meinen die Designer. Auch im Printbereich hat man manchmal das Gefühl, dass die Pixelklumpen lediglich einen Selbstzweck erfüllen. UX-Experten predigen stetig, dass alles, was keinen Mehrwert für den Konsumenten hat, weggelassen werden sollte. Das gilt auch für Plakat- und Printkommunikation. Nur in wenigen Fällen wird der QR-Code wirklich dafür verwendet, einen solchen Mehrwert für den Nutzer zu schaffen bzw. diesen einfacher zugänglich zu machen (ja, das geht!). Stattdessen werden die Dinger einfach hingeklatscht, wo früher mal die aus Designersicht hässlichen und unästhetischen URLs standen. (Gleiches gilt übrigens für unmotiviert in die Ecke geklebte Facebook-Logos. Bäh.)

Aber darum geht es nicht. Die QR-Code-Fans unter den Werbeleuten sind die gleichen, welche Flash-Intros für eine gute Idee halten, und die Navigationsmenüs ohne Beschriftungen entwerfen.

Oder 36-stellige Rabattcodes zum Abtippen auf Flyer drucken.

(Dafür sind QR-Codes übrigens ne Supersache.)

QR-Code des Todes

Ein Klassiker:

In der U- oder S-Bahn immer wieder gerne gesehen: ein QR-Code des Todes.

– Scannen nicht möglich, QR Code zu klein.

– Näher an das Plakat rangehen nicht möglich, U-Bahn Gleise im Weg.

– Keine Adresse unter dem QR Code abgedruckt.

– Vorteil sichern nicht möglich. Was ist der Vorteil?

– Die Webseite sieht auf den ersten Blick völlig kaputt aus, ist es aber eigentlich nicht.

Schade um das Budget. Ich werde leider nie erfahren, was der Vorteil ist.

Blick hinter die ZDF Kulissen mit QR-Code

Schöne Sache. Mit dem QR-Code sieht man besser, sogar hinter die Kulissen soll man blicken können.

Ich bin natürlich neugierig und scanne den QR-Code um mehr zu erfahren. Was soll man sonst auch machen, während man auf die U-Bahn wartet?

+ Die Zielseite http://ni.vg/1okiybWEAz ist halbwegs mobil optimiert.

– Keine Zieladresse unter dem QR-Code genannt

– Die eigentliche Idee des Plakat wird leider in Form von Videos fortgeführt. Das funktioniert auf dem Handy nicht wirklich gut, insbesonders nicht in der U-Bahn. Leider hängen die Plakate in der Regel an Orten mit schlechtem Netz und wieder scheitert eine schöne Idee an der Realität.

Insgesamt nicht schlecht, aber kurz vor dem Ziel versagt auch diese Kampagne. Schade um das Budget für die Videos.

QR-Kekse

Nicht ganz aus der Welt der Plakate, aber einfach zu süß: Qkies. Backmischung für 20 Kekse mit QR-Codes, die zu einer frei definierbaren Website verlinken. Für 6,90 Euro. Was für ein lustiger Schwachsinn.

(via)